Donnerstag, März 11, 2010
   
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Calypso & Soca

Calypso


Was schürt das Feuer des Karnevals? Die Musik. Calypso Musik - DER Sound der karibischen "joie-en-vivre", geboren in Trinidad & Tobago. Calypso ist eine Kunstform, entstanden aus den "chantuelles", Songs, in denen während des Karnevals im letzten Jahrhundert tägliche Ereignisse parodiert wurden.
Während der Saison trifft man alle Stars in den Calypso Zelten (heute handelt es sich dabei nicht mehr um richtige Zelte). Die diversen Songs werden am Karneval-Wochenende, am Dimanche Gras, von einer Jury bewertet. Neun der besten Calypsonians treffen auf den Champion, und daraus geht der jährliche Calypso Monarch hervor.
 

Geschichte & Bedeutung:

 

Im Jahre 1883 wurde in Trinidad der Gebrauch von Trommeln während des Karnevals untersagt, ein Verbot, welches früher bereits von den Sklavenhaltern Nordamerikas ausgesprochen worden war, die Kraft der Trommeln und der Rhythmen war ihnen nicht geheuer. Hier wie dort führte dieses Verbot automatisch zu einer Herausbildung einer eigenen Musikkultur, in den USA den Blues, auf Trinidad den Calypso. Die Sklaverei war auf Trinidad im Jahre 1837 abgeschafft worden, und das Trommelverbot während des Karnevals sah man wohl eher als eine Art Vorkehrung, diesen nicht außer Kontrolle geraten zu lassen, anarchische Elemente waren stets Bestandteil dieses Festes gewesen.
Calypso war zunächst Teil der volksmusikalischen Traditionsbildung. Frühe Sänger des vormedialen Zeitalters wie Roaring Lion packten in ihre Lieder eine Vielzahl von nützlichen Informationen und Inselgerüchte, die die jeweiligen Zuhörer auf dem Laufenden hielten. Stilistisch und strukturell lässt sich die Musik auf westafrikanische Work Songs wie den "Gayup", der auf Plantagen und in Fischerdörfern gesungen wurde, zurückführen. Die damals sogenannte "Chantwells", die als Vorsänger und Vorarbeiter mit ihren Melodien den Takt der Arbeit bestimmten. Sie kommunizierten in Frage-Antwort-Mustern mit den übrigen Beteiligten und formten so die Grundmuster des traditionellen Calypsos. Das Wort Calypso selbst ist wahrscheinlich eine Abwandlung des westafrikanischen "kaiso!", eines Ausrufs zur Aufmunterung vergleichbar dem spanischen "olé" oder dem europäischen "bravo".

Jedenfalls vermischten sich die ursprünglichen Vokalformen im Laufe des 19. Jahrhunderts mit kreolischen Karnevalstraditionen, wie z.B. den Canboulay-Liedern des afrikanischen Erntedankfestes.

Zu den wichtigen Bestandteilen der bald vor allem während der Karnevalswochen ausgetragenen Wortgefechte konkurrierender Calypso-Sänger, den sogenannten "Picongs", gehörten zusätzlich zu den "Gayup"-Mustern und verschiedenen Klangbezügen spanischer, französischer und britischer Tradition der Kolonialmächte auch Trommelpassagen, die neben afrikanischer Perkussion auf die eigens auf Trinidad erfundenen, aus Ölfässern gefertigten Steeldrums zurückgriffen.

Die Calypso-Songs behandeln größtenteils aktuelle Themen, sie sind soziale und politische Kommentare, man kann sagen, dass der Calypso zu Anfang unseres Jahrhunderts zu einer Art Zeitung wurde. Jedes wichtige Tagesthema wurde berichtet und auch kommentiert, was heute passierte, war morgen bereits im Radio als Calypso verarbeitet (als die Graf Zeppelin 1929 auf Trinidad zwischenlandete, hatte der Sänger Atila the Hun bereits kurz darauf seinen Bericht darüber im Radio). Calypso war daher sowohl eine in den Volkstradition verwurzelte Partymusik als auch ein politisches und soziales Sprachrohr.
Aber Calypso war auch streitbar. Immer wieder wurden einzelne Lieder verboten, weil die Sänger in ihren Texten deutlich ihre politische Meinung kundtaten oder eine übertrieben sexistische Stellung bezogen.

Aber von seiner musikalischen Leichtigkeit und Vitalität ging immer eine enorme Faszination aus. Bereits im Jahre 1912 entstanden die ersten Aufnahmen. Seine erste Blütezeit erlebte der Calypso schon zwischen 1900 und 1940.

Mit den amerikanischen Soldaten kamen auch Musikfans ins Land, die sich um die südkaribische Klangwelt verdient machten. Einer davon war der Unternehmer Harold Doane, der in den spätern Vierzigern begann, für sein Label ART Records Calypso-Künstler aufzunehmen. Er brachte Erfahrungen aus dem Film-Business mit und zog durch die Lande, um auf Trinidad nach Interpreten zu suchen, die neben den erfolgreichen nordamerikanischen Trendvorreitern sich die Originalität der Musik erhalten hatten.

Durch die amerikanische Musikindustrie und die kreierten Tanzschritte erreichte der Calypso 1956 einen weiteren Höhepunkt und wurde auch in Europa als "Moe" aufgegriffen. Einer der bekanntesten Titel und Melodien ist Harry Belafontes „Day-O” (The Banana Boat Song). Der amerikanische Sänger und Schauspieler veröffentliche diesen Titel 1956 auf seinem Album „Calypso” und schrieb damit Musikgeschichte. Belafonte konnte sein Album über eine Million Mal verkaufen, wobei sich der Banana Boat Song als einzigartiger Evergreen erweisen sollte. Das Lied steht für tribagonische Leichtigkeit und groovy Calypsorhythmen, der Text selbst beschreibt eine Bananenernte. Dabei zählte der „tallyman”: six hand, seven hand, eight hand, bunch. Denn nach der Anzahl der Bananenbüschel wurden die Arbeiter damals bezahlt. Louis Armstrong sang damals "High Society", die Andrew Sisters adaptierten Lord Invaders "Rum And Coca-Cola". So wurden zahlreiche Platten auf dem internationalen Markt verkauft.

Calypso entwickelte sich kurzzeitig zu einer Modeerscheinung. Doch so schnell der Boom kam, so nachhaltig verschwand er auch wieder. Ska und Reggae aus Jamaika, Salsa und Son aus Kuba gelangten in die Kaufhausregale und verdrängten zu ihren Gunsten die Melodien aus Trinidad. Da außerhalb der Karnevalssaison der jamaikanische Reggae vorherrscht, beeinflusste dieser Sound auch irgenwann den Soca: Trinidadische Künstler, die schufen so den Ragga Soca, also Soca mit jamaikanischem Sprechgesang. Getragen wurde die neue Bewegung Ende der 90er von Künstlern wie Machel Montano, KMC oder Bunji Garlin.
 
Die Calypso Interpreten geben sich gerne martialische Pseudonyme, wie "The Executor", "The Mighty Bomber", "Black Stalin", und natürlich dreht sich ein großer Teil ihrer Songs auch über die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Diese können sehr drastisch und obszön ausfallen, wobei ein unüberhörbarer chauvinistischer (Männer-) Ton vorherrscht (wie z.B. auch auf Jamaika).

King "Mighty" Sparrow (Francisco Slinger) ist der bekannteste Calypso-Star der Nachkriegszeit auf Trinidad. Obwohl er auf Grenada geboren wurde, gilt er als Einheimischer und hat bereits in den Fünfzigern mit deutlichen, kritischen Texten eine große Fangemeinde hinter sich versammeln können. Er engagiert sich politisch für "People's National Movement" und vollzog als einer der ersten Künstler behutsam den stilistischen Übergang zur Soca, der tanzbaren Nachfolgestilistik des Calypso. Er nahm über 70 Alben auf und kann, immer noch aktiv, auf mehr als 40 Jahre aktive Bühnenerfahrung zurückblicken.

Garfield Blackman war ein großer Mann. Deshalb nannte er sich mit ironischem Unterton selbst "Lord Shorty". Er gehörte seit den sechziger Jahren zu den prominenten Calypso-Sängern auf Trinidad, lernte aber sein Handwerk zunächst in Steel Bands, bevor er seine Solokarriere startete. Die ersten Jahre waren von zahlreichen anzüglichen Hitsingles geprägt, seit den Achtzigern jedoch entdeckte er auch seine spirituellen Seiten. "Shorty" verstarb im Jahre 2000. Sein Song "Kim" handelt von den Sorgen eines chinesischen Vaters, der seine schwangere Tochter zur Rettung der Familienehre unter die Haube bringen will.

Die charakteristischen Merkmale des Calypso Tanzes sind die Rumpfbewegungen und die Rhythmusbetonungen in den Knien. Eine Variante ist der "Jump-up", der auf engstem Raum bei Karnevalsfeiern getanzt werden kann.

Man kann sagen, dass sich die Rolle des Calypso als "Stimme des Volkes" mit Einschränkungen bis heute gehalten hat, immer noch haben Text und Aussage einen wesentlich höheren Stellenwert, als in der sonstigen westlichen Popmusik. Zum Abschluss etwas über die Art und den Charakter des Calypso:

1. Beginn mit Introduktion unter Verwendung eines Teils der Melodie oder einer rhythmischen Figur.

2. Zwei Charaktere deutlich erkennbar:

a) Bearbeitung des Themas wie nach europäischer Sonatenhauptsatzform.
b) Figuren wie Vers/Chorus und "Call-And-Response" sind afrikanischen Ursprungs.

3. Ende mit Coda.

4. Ergebnis ist weder afrikanische noch europäische Musik, sondern karibische Musik!


Calypso gilt in Europa noch immer als Geheimtipp für intelligente und mitreißende Tanzmusik. Grund genug, mal nach Calypso-Songs zu forschen!


Calypso Tents:

 

Trinidad & Tobago ist die Heimat des Calypso. In den verschiedenen Calypso Zelten, die während der Karnevalszeit ständig neue Shows bieten, sind Besucher immer herzlich willkommen. Bis zu 20 Sänger treten an einem Abend auf - nirgendwo sonst erfährt man die Trini-Seele stärker als hier.
 
 

Principal Calypso Tents:

 
·  Calypso Spektakula - Henry St., Port of Spain
·  Calypso Revue - SWWTU Hall, Wrightson Road, Port of Spain
·  Kaiso House - NUGFW Hall, Henry Street, Port of Spain
·  Calypso Showcase - Eating Choices, 147 Coffee Street, San Fernando
 
 

Soca


Der energiegeladene Beat ist in den 70er Jahren aus dem Calypso entstanden. Aufgebaut auf dem basic beat, wird eine laid back Bassline und ein Hauch indianisches Trommeln hinzugefügt. Mittlerweile ist Soca zu DER Partymusik auf Trinidad & Tobago avanciert. Fêtes sind Soca-Happenings, sie finden ihren Höhepunkt am Karnevalsdienstag.

 

Geschichte & Bedeutung:

 

Im Jahre 1970 gab es eine kleine Revolte auf Trinidad und Tobago, verursacht durch einen kleinen Teil der Armee, die letztendlich viele Menschen zu Analysen und Verbesserungsvorschlägen veranlasste. Mit der Revolte kamen auch erstmals "Black Power" Gedanken auf, die von vielen Calypso-Sängern, als Träger schwarzer Kultur Trinidads aufgegriffen wurden. Derart in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, forderten sie nicht nur die stärkere Beteiligung ihrer schwarzen Brüder in wichtigen Positionen der Politik und Wirtschaft, sondern sie unterstrichen dies auch durch eine Verschmelzung von "Black Music" der USA mit ihrem Calypso.
Unter Einbeziehung von Bläsersätzen, treibenden Basslinien und schnellerem "Upbeat-(Disco-) Tempo" aus R&B und Soulmusic entstand der SOCA, "Soul of Calypso". Soca zeichnet sich daher gegenüber dem Calypso durch härteren, "westlicheren" Sound aus, ist schneller und druckvoller. Auch sprechen die Texte eine sehr deutliche Sprache. Es wird in den Liedern immer auch auf die jeweilige politische und soziale Situation Bezug genommen.
Interessanterweise wandte sich der Mann der Soca zum ersten mal im Jahre 1975 präsentierte , ein paar Jahre später der "Rasta Bewegung" zu. Aus "Lord Shorty" wurde "Shorty", der Socaman, und "Ras Shorty I".
Jedes Jahr zur Karnevalzeit werden Trinidad und Tobago zu einem Schaufenster exotischer Kostüme, Tänze und Musik, wobei man Calypso und Soca Klänge hautnah miterleben kann.
Im Sommer 1990 wurde Soca auch in Europa als Tanz vorgestellt. Soca ist einfacher zu tanzen als der Vorgängertanz, Lambada. Aufgrund seines Bewegungsablaufes wurde er häufig als erotischer Kulttanz bezeichnet. Er hat sich aber bisher in Europa nicht richtig durchsetzen können.     

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